Han- und Hunbeeren

In Buch, der neuen Anthologie von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, die gerade im Fröhlichen Wohnzimmer erschienen ist, finden sich drei neue Gedichte von Herrn K., u.a. das Gedicht Kaufe Him- und Heidelbeeren, das durch eine Oslo-Reise und durch die Begegnung mit der norwegischen Sprache beeinflusst worden ist. Die Anthologie umfasst Gedichte, Collagen, Prosatexte von vielen spannenden, meist österreichischen Kolleg*innen.

Werbeanzeigen

Wolken überm Brüsseler Platz

Die Redaktion der studentischen Literaturzeitschrift Der Hagen, die Autorenwerkstatt an der Uni, die Open-Mike-Abende im Zapzarap (im Belgischen Viertel) und das Literatur-Atelier waren Mitte der 1990er Jahre meine ersten literarischen Stationen in Köln. Jetzt ist zum 30. Jubiläum des Literatur-Ateliers, das ich damals (ca. 1997/98) nur wenige Male besucht habe, eine von Bettina Hesse und Liane Dirks herausgegebene Anthologie erschienen. Über die Verhältnisse (Dittrich Verlag 2019) versammelt 44 Beiträge u.a. von Marcel Beyer, Norbert Hummelt, Mithu M. Sanyal, Marie T. Martin, Thorsten Krämer, Stan Lafleur und René Hamann. Von mir sind fünf neuere Gedichte ausgewählt worden, eins davon Wolken überm Brüsseler Platz, führt etwas in diese Zeit zurück.

55DE3E5D-55F8-4B23-AA86-8DA527AB1A9D

AC Biblio / Athens Cologne Bibliodiversity

Das deutsch-griechische Literaturtreffen AC Biblio / ΑΚ Βιβλίο bringt Ende Januar 2019 Dichter*innen, Verleger*innen und Zeitschriftenmacher*innen aus Köln und Athen zusammen. Zum Thema Bibliodiversität treffen sich die Verlage Antipodes und parasitenpresse sowie die Literaturzeitschriften FRMK und KLiteratur zu einem internen Workshop, in dem folgende Fragen im Vordergrund stehen: Wie können kleine Verlage, Literaturzeitschriften und Autoreninitiativen in einem sich rasant entwickelnden Buchmarkt bestehen? Und wie können diese vier Akteure zusammenarbeiten, um einen stetigen deutsch-griechischen Literaturaustausch zu ermöglichen?

Der zweite Teil von ist die öffentliche Performance am Samstag, 26. Januar, um 19 Uhr, in der Buchhandlung Little Tree Books & Coffee in Athen, zu der alle eingeladen sind. Dort lesen die Dichter*innen aus Köln und Athen zweisprachig. Gäste des Abends sind Katerina Iliopoulou, Adrian Kasnitz, Kostas Spatharakis, Jonas Linnebank und Pavlina Marvin / Danae Sioziou. Musikalisch begleitet werden sie von Guido De Flaviis (Saxophon).

Das Literaturtreffen wir geleitet von Danae Sioziou und Adrian Kasnitz. Ermöglicht wird der Besuch in Athen durch Fördermittel aus dem Programm Transfer international des NRW KULTURsekretariats Wuppertal und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. Ein Gegenbesuch in Köln ist geplant.

48392126_10215837270258939_6195419354440400896_n

Reise, Argentinien, Dichterszene

Meine Reise führte mich zunächst nach Buenos Aires. Dort las ich gemeinsam mit den Dichtern Léonce W. Lupette und José Villa und stellte den von Pablo Jofré übersetzten Band Fracasos felices (Glückliche Niederlagen) im Goethe-Institut vor. In Buenos Aires gibt es eine sehr rege Dichter- und Verlagsszene, das konnte ich an den folgenden Tagen feststellen. Vieles findet in parallelen Szenen statt, die manchmal mehr, manchmal weniger miteinander zu tun haben (wollen). Am Abend der Goethe-Lesung erhielt ich eine Einladung zu einer von Lili Majic organisierten Lesung im feministischen Zentrum MU für den nächsten Abend. Dort traf ich eine lose Gruppe Dichter*innen, hörte und sah ihnen bei ihrer Performance zu und sprach mit den Dichtern Ignacio Vázquez und Julio C. Páez. Später begleitete ich Ignacio zu der Buchvorstellung von Luis Erker Ercolano. Allerdings stellte nicht der Dichter selbst sondern seine dichtenden Freunde sein Buch vor, indem jeder einen Text las und sich der Dichter auf diese Weise feiern lies. Auch die nächsten Abende führten mich zu Lesungen im Stadtteil Almagro, wo es jeden Abend Lesungen gibt. Poesía de emergencia heißt eine Gruppe, die im Tango-Salon La Hormiga de Oro auftrat, oder Aquémendia eine andere (scheinbar im ähnlich Umfeld stehende), die zur Lesung in die Emergente Bar nach Abasto einlud. Der Laden von Eloísa Cartonera in La Boca, des Verlags, der Bücher mit Pappen der Kartonsammler produziert, hatte sonntags geschlossen. Andere Buchhandlungen gibt es so zahlreich wie Empanada-Bäcker. Ich besuchte die wohl schönste: El Ateneo an der Avenida Santa Fe. Dieses Buchkaufhaus ist in einem ehemaligen, klassischen Theater untergebracht. Den letzten Abend verbrachte ich im Stadtteil Chacarita bei Tomás Fadel, einem jungen Verleger, bei dem ich weitere Dichter und Verleger traf – eine schier endlose Szene. Tomas druckt Bücher in Letterpress, fadengeheftet. In seiner früheren Edition fügte er in die Covers zum Beispiel Kronkorken ein. Wir diskutierten über Kleinverlage, wie die unsrigen, über Vertriebsschwierigkeiten und -möglichkeiten. Dichter- und Verlagswelten ähneln sich überall. Von Prosa bekam ich nicht viel mit. Immerhin hatte ich die Porteños Hernán Ronsino und César Aira im Gepäck. Ein paar weitere Bücher kamen im Lauf der Tage hinzu. Büchertausch und Bücherschmuggel sind gute Wege, um mit Kollegen ins Gespräch zu kommen. Julio C. Páez schenkte mir eins seiner Bücher, daraus ist das folgende, von mir übersetzte Gedicht:

Ein Foto,

so zart

wie der Augenblick

den es abbildet,

es ruft nicht nach

den Göttern der Vergessenheit,

sie beachten den Durst

der Wurzeln nicht,

die Zerbrechlichkeit

dauert fort.

 

Reise nach Argentinien und Chile

Da ich meistens zu Fuß oder per Bahn unterwegs bin und das Flugzeug möglichst selten benutze, bin ich so gut wie nie aus Europa herausgekommen. Einmal war ich auf der anderen Seite des Bosporus, einmal jenseits des Don, wo die Einheimischen sagten, das sei Asien. Aber das behaupten manche Kölner ja auch, wenn sie von der anderen Seite des Rheins sprechen.

Vermutlich würde ich daran nichts ändern, wenn ich nicht jetzt meinen Texten hinterher reisen dürfte. Für den chilenischen Verlag Das Kapital Ediciones hat Pablo Jofré den Gedichtband Glückliche Niederlagen ins Spanische übersetzt und der wird nun unter dem Titel Fracasos felices im südamerikanischen Frühling erscheinen. Zu Buchpräsentationen nach Buenos Aires (24.11., gemeinsam mit Léonce W. Lupette und José Villa, Goethe-Institut) und Santiago de Chile (1.-4.12., Furia del Libro) reise ich nun erstmals – freundlich unterstützt durch die Kunststiftung NRW – nach Südamerika, treffe dort Autor/innen, die ich teilweise über die Latinale und die parasitenpresse kennenlernen durfte und freue mich auf alle neuen Begegnungen. Tengo muchas ganas!

img_20160917_192127a
à travers champs

Lyrik-Taschenkalender 2017

Im neuen Lyrik-Taschenkalender, der immer Gedichte und Kommentare präsentiert, finden sich drei Beiträge von Herrn K. Zum Gedicht Haut (aus Glückliche Niederlagen) verfasste der Herausgeber Michael Braun einen schönen Kommentar. Im Gegenzug wählte Herr K. die Gedichte Im Zug Athen-Patras von Nicolas Born und Moose lugen etwas bedrückt von Léonce W. Lupette aus und kommentierte sie. Erschienen ist der Kalender jetzt im Verlag Das Wunderhorn.

LTK17_cover Kopie.indd

Caine Prize for African Writing (in Köln)

Im Herbst beginnt die wunderbare Lesereihe Caine Prize for African Writing zu Gast in Köln, die von stimmen afrikas organisiert wird. Der Caine Prize ist eine renommierte Auszeichnung, die junge englischsprachige Erzählerinnen und Erzähler aus Afrika fördert und sie oft international bekannt macht. Die Lesereihe bringt einige der Preisträger der letzten Jahre nach Köln und zeigt, wie vielfältig und modern afrikanische Literatur ist. Zu Gast in Köln werden nach bisherigem Stand Rotimi Babatunde, Okwiri Oduor, Tope Folarin und Olufemi Terry sein.

Randständig ist auch Herr K. mit dem Projekt Frühstückstalks an der Lesereihe beteiligt, das die Vernetzung der Gäste und der Kölner Literaturakteure beabsichtigt.

caineprizehead-awarddinner

fritzfest und einseitig

Zwei neue Anthologien sind jetzt aus Wien eingetroffen, in denen neue Prosa von Herrn K. enthalten ist. Bei fritzfest handelt es sich um die Festschrift für den Wiener Schriftsteller und Verleger Fritz Widhalm, erschienen in der edition ch. Der darin enthaltene Prosatext Milch ist eine Collage, die mit Material aus Widhalms Kurzprosaband Ein schwarzer Herrenschirm spielt. Die zweite Anthologie heißt Einseitige Beschreibung der Wirklichkeit und erscheint im Verlag Das fröhliche Wohnzimmer. Einerseits sind alle Beiträge formal begrenzt auf eine Textseite, andererseits widmen sie sich inhaltlich den Möglichkeiten des einseitigen Blickwinkels. Der Text Im Zelt, ein Fragment aus einem größeren Text von Herrn K., führt in das Jahr 1963 und zum Problem der subjektiven Wahrnehmung eines Jahres, während gleichzeitig an anderen Orten in der Welt ganz ungeahnte Dinge geschehen.

IMG_20160604_165258a

Große Literatur in kleinen Verlagen

Bibliophil, engagiert, einzigartig heißt die Ausstellung, die noch bis zum 4. Oktober 2015 im Museum für Westfälische Literatur in Oelde (Kulturgut Nottbeck/Oelde-Stromberg) zu sehen ist. Im Bielefelder Aisthesis Verlag ist nun auch das Begleitbuch von Walter Gödden erschienen. Hier werden Bücher aus Kleinverlagen und Handpressen vorgestellt, die seit den 1950er Jahren zum Beispiel in der Ermeniten-Presse von V.O. Stomps, in der Corvinus Presse, dem Verlag Peter Engstler, dem SuKuLTuR Verlag oder der parasitenpresse erschienen sind. Von Herrn K. sind darin das erste Leseheft Lippenbekenntnisse (2000) und der Gedichtband Sag Bonjour aus Prinzip (2013) verteten, immer mit Abbildungen, Zitaten und kurzen Einführungen versehen. Außerdem ist darin ein kurzes Statement zum Thema Warum Kleinverlage? enthalten. Ausstellung und Begleitbuch werden unbedingt empfohlen!

SAMSUNG CSC

Für Axel Kutsch

Rauch, Sprechblasen, dichter Nebel steigen auf als Wolken überm Brüsseler Platz, so der Titel des Hommage-Gedichts an den Dichter und Herausgeber Axel Kutsch, das sich wiederfindet in der Festschrift Für Axel Kutsch, die jetzt in der parasitenpresse erschienen ist. Neben dem Gedicht von Herrn K. finden sich Beiträge von Gerrit Wustmann, Marie T. Martin, Christoph Danne, Anke Glasmacher, Amir Shaheen, Guy Helminger, Sabine Schiffner und Stan Lafleur.

Festschrift AK70_kleen