Reise, Chile, Furia del libro

Der zweite Teil meiner Reise führte mich per Bus von Buenos Aires nach Santiago de Chile. Es ging stundenlang durch die Pampa, dann an der Universitäts- und Weinstadt Mendoza vorbei hoch in die Anden. Die Grenzstation liegt auf ca. 3500 m und wird vom Aconcagua, dem höchsten Berg Südamerikas (6962 m) überragt.

Im sehr zentral gelegenen Santiagoer Kulturzentrum GAM fand nun zum 10. Mal die Furia del libro statt, eine viertägige Buchmesse unabhängiger Verlage. Gegründet von einem Zusammenschluss mehrerer Editionen nehmen mittlerweile ca. 150 Aussteller teil, die  Romane und viel Lyrik aber auch Graphic Novels und Comics verlegen. Mein chilenischer Verlag Ediciones Das Kapital ist einer dieser Gründungsverlage und hatte mich eingeladen, mein Buch Fracasos felices dort vorzustellen. Aus deutscher Perspektive ist diese unabhängige Buchmesse aus zwei Gründen von besonderer Bedeutung: Zum einen ist mir – in dieser Größenordnung – keine von den Verlagen selbstorganisierte Buchmesse in Deutschland bekannt. Zum anderen erfreute sie sich über alle Tage einem sehr regen Zuspruch. Das Publikum strömte herbei, weil die Bücher ohne Buchpreisbindung direkt vom Verlag deutlich billiger zu haben waren als in den Buchhandlungen. Außerdem gab es ein Rahmenprogramm mit Lesungen, Autoren-Gesprächen, Workshops und Konzerten. Das Publikum war jung, an neuer Lyrik und Prosa sowie linksgerichteter Politik und Geschichte interessiert – so dass eine sehr angenehme Atmosphäre vorherrschte, die zu Gesprächen einlud. Meine Lesung und das anschließende Gespräch fanden dann im deutsch-spanisch-englischen Mischmasch statt. Als einzigem europäischen Vertreter wuden mir meine beschränkten Sprachkenntnisse nachgesehen. Rund um die Buchmesse traf ich auf sehr freundliche und neugierige Dichterkollegen, die an einem Austausch sehr interessiert sind. Wer weiß, welche Projekte sich in der Zukunft daraus entwickeln. Meinen Begegnungen in Südamerika werden weitere literarische Korrespondenzen folgen.

Zum Schluss ein Gedicht des in Valparaíso lebenden Dichters Enrique Winter (in meiner Übertragung):

Glättet die Fuchsschwanzschwingen

mit Nägeln im Gefieder

*

und verschenkt sie

bei diesem Candlelightdinner

*

dann die rote

Schwellung der Scheide

und der Klinge

*

das eingerissene Tuch

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Reise nach Argentinien und Chile

Da ich meistens zu Fuß oder per Bahn unterwegs bin und das Flugzeug möglichst selten benutze, bin ich so gut wie nie aus Europa herausgekommen. Einmal war ich auf der anderen Seite des Bosporus, einmal jenseits des Don, wo die Einheimischen sagten, das sei Asien. Aber das behaupten manche Kölner ja auch, wenn sie von der anderen Seite des Rheins sprechen.

Vermutlich würde ich daran nichts ändern, wenn ich nicht jetzt meinen Texten hinterher reisen dürfte. Für den chilenischen Verlag Das Kapital Ediciones hat Pablo Jofré den Gedichtband Glückliche Niederlagen ins Spanische übersetzt und der wird nun unter dem Titel Fracasos felices im südamerikanischen Frühling erscheinen. Zu Buchpräsentationen nach Buenos Aires (24.11., gemeinsam mit Léonce W. Lupette und José Villa, Goethe-Institut) und Santiago de Chile (1.-4.12., Furia del Libro) reise ich nun erstmals – freundlich unterstützt durch die Kunststiftung NRW – nach Südamerika, treffe dort Autor/innen, die ich teilweise über die Latinale und die parasitenpresse kennenlernen durfte und freue mich auf alle neuen Begegnungen. Tengo muchas ganas!

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Fracasos felices

So werden sie ausschauen, die Glücklichen Niederlagen in der spanischen Übersetzung von Pablo Jofré, die Ende des Monats im chilenischen Verlag Ediciones Das Kapital erscheinen werden. Fracasos felices ist der erste übersetzte Einzeltitel von Herrn K. Fantástico!

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